Temperamentvoll
Ob jemand Pfeffer im Hintern hat oder eher ein Temperament einer Schlaftablette an den Tag legt, hängt von der Tagesform, und in jedem Fall von der individuellen Wesensart, ab. Menschen, deren Grundveranlagung eher ruhig ist, werden nicht so oft temperamentvoll wirken, wie andere, die ständig vor Lebenslust sprühen.
Umgekehrt heißt das aber nicht, dass Menschen weniger emotional sind, nur weil sie die leiseren Töne bevorzugen. Die gesamte Bandbreite zwischen tiefer Traurigkeit und lebendiger Freude ist in ruhigen Menschen genauso vorhanden. Gefühle zeigen zu können, ist nicht Jedermanns Sache, aber Gefühle zu spüren und zu leben ist wieder etwas ganz anderes. Wer lebt denn nun leichter: Derjenige, der vor Freude laut schreien kann und temperamentvoll herumtanzt, oder derjenige, auf dessen Gesicht sich nur ein zartes Lächeln zeigt?
Jeder Mensch soll nach seinem Belieben glücklich werden. Das heißt, dass man sich am wohlsten fühlt, wenn man sich nicht verbiegen muss, sondern einfach so sein kann, wie man eben ist. Wer viel überschäumendes Temperament hat, fühlt sich nur dann wohl, wenn er es auch heraus lassen kann. Sich mühevoll zähmen und zügeln zu müssen, ist auf Dauer sehr belastend. Genauso verhält es sich umgekehrt bei Menschen, die lieber kontrolliert reagieren. Würde man sie zwingen, temperamentvoll zu sein, wäre das ein Hindernis für die persönliche Zufriedenheit.
Wenn es aber anerzogene Hemmungen sind, die einen Menschen daran hindern, temperamentvoll zu agieren, führt das langfristig ebenfalls in die Unzufriedenheit. Wenn man seiner Freude nur gedämpft Ausdruck verleihen kann, sollte man sich überlegen, ob man eigentlich laut vor Freude aufspringen möchte, aber sich nicht traut. Falls das der Fall ist, hilft nur eines: Über den Schatten springen!

